Bauingenieur Dr.-Ing. Frank Schladitz

Baumeister, Fädenzieher und Menschenflüsterer

Dr.-Ing. Frank Schladitz ist Forschungsgruppenleiter am Institut für Massivbau der Technischen Universität Dresden und vertritt zugleich den Vorstand des weltweit größten Forschungsprojektes "C³ - Carbon Concrete Composite" im Bauwesen.

In der Schule waren Mathematik und Sport seine Lieblingsfächer. Die Ausbildung zum Bauzeichner machte er anfangs eher, weil seine Eltern bereits in der Baubranche waren. Doch bald war seine Leidenschaft für Bauwerke geweckt und er studierte nach seiner Ausbildung Bauingenieurwesen: "Bauingenieure bauen mehrere hundert Meter hohe Gebäude, verbinden mit Brücken die Ufer von reißenden Flüssen, unterqueren mit Tunnelbauwerken ganze Großstädte und forschen bereits heute für das Bauen auf dem Mond."

Sein Schwerpunkt lag auf dem konstruktiven Ingenieurbau, also auf der Konstruktion und Berechnung der tragenden Strukturen eines Bauwerkes. Nach dem Studium plante er in einem renommierten Ingenieurbüro große Brücken. Nach seiner Promotion sattelte er berufsbegleitend noch ein Masterstudium der Betriebswirtschaftslehre drauf. Danach wurde Frank Schladitz die Leitung des C3-Projektes anvertraut.

Carbonbeton ist ein Materialverbund aus Kohlefasern und Beton, der leichter, stabiler, umweltverträglicher und langlebiger als Stahlbeton ist. Im C³-Projekt soll die Markteinführung des Carbonbetons vorbereitet werden. Dazu müssen Materialien und Produktionsverfahren entwickelt, aber auch die Normung und Zulassung des Materials vorangetrieben werden.

„Enttäuschung bei ausbleibenden Ergebnissen und Euphorie bei unerwartet guten Ergebnissen liegen sehr eng beieinander“, so Schladitz. „Aber selbst die Erkenntnis, dass etwas nicht funktioniert, ist in der Wissenschaft ein sehr wichtiges Ergebnis. Wenn die Erkenntnisse gut und nachvollziehbar dokumentiert sind, sind sie eine hervorragende Grundlage für die weitere Forschung.“

Schladitz verantwortet als Geschäftsführer des Projektes die Koordination der knapp 160 beteiligten Partner und die Verwendung von bis zu 70 Millionen Euro an Forschungsmitteln. „Für die Strukturierung und Koordinierung eines solchen Projektes gibt es keine praxistaugliche Vorlage, die man einfach übernehmen kann. Der Anfang war echt schwer.“

Der Job als Bauingenieur begeistert ihn jeden Tag aufs Neue. Was braucht man dafür? „Man sollte in den Fächern Mathematik und Physik fit sein. Auch die Abwechslung zwischen der Arbeit im Büro, am Computer und dem Gang über die Baustelle – bei Wind und Wetter – sollte einem liegen. Und man sollte als planender Bauingenieur bei allen am Bau Beteiligten – dem Bauherrn, dem visionären Architekten aber auch beim hartgesottenen Bauleiter – immer die richtigen Worte finden.“

In der 8. Klasse hatte Schladitz in Physik übrigens eine 4 im Zeugnis stehen. Im Abitur war es dann eine 1.